Samstag 10. November - Samstag 8. Dezember 2018

Nicholas Winter
forget not, recollect

Vernissage: Samstag 10. November 2018, 17- 20 Uhr

Finissage: Samstag 8. Dezember 2018, 17-20 Uhr

 

 

Öffnungszeiten
Während den Ausstellungen:
Mittwoch, Donnerstag und Samstag
14:00-18:00 Uhr


Ausserhalb der Ausstellungszeiten:
Gerne vereinbaren wir einen Termin

 
 

Portraits wurden und werden noch immer gemacht, die Kultur des Portraitierens ist nicht aus der Kunst wegzudenken. Gleichzeitig hat sich aber in unserer heutigen Zeit eine neue Gattung der Portraitkultur entwickelt:
Es ist die heutige Selfie - Kultur. Allein 2016 wurden auf Instagram 282 Millionen Selfies geposted. Das Portrait wird zum alltäglich narzisstischen Reflex*.

Das Modell setzt gewissermassen „das öffentliche Gesicht “ auf, das Gesicht, um Anderen zu gefallen. Es ist das „schöne Gesicht“. Heute, viel mehr als früher, sind wir überschwemmt mit diesen Gesichtern des Gefallens. Sie sind in den Sozialen Medien, in Zeitschriften, online, offline omnipräsent, sie sind überall.
Wir leben in einer Welt der Geischter, wie man sie gern hätte, wie sie nach aussen hin sein sollten. .

nwinterphotography.com
 
   
bootstrap slid
   
         

Nicholas Winter versucht in seiner neuen Ausstellung „ forget not, recollect“ einen anderen Zugang zum Portrait zu finden. Er setzt seine Modelle zwischen 60 und 90 Sekunden vor eine Glasscheibe, vor das eigene Spiegelbild (Reflexion im Glas). Dabei wendet sich das Gesicht „des Gefallen - Wollens“ langsam dem inneren, dem eigenen (nicht öffentlichen Gesicht) Portrait zu.
Es sind diese inneren Gesichter in uns selber, die den Fotografen interessieren. Die Gesichter, die aufhören gefallen zu wollen. Gesichter, die sich mit sich selber konfrontieren, in einem stillen Raum, den ihnen der Fotograf bietet. An dem Punkt schimmert das Poetische ICH eines Menschen durch. Ein Glühen, ein Leuchten von Innen, wo es um die Dinge des Lebens geht, die einen angehen, die mit einem selber zu tun haben. Und wenn die Anbindung an die Oberfläche verlassen wird, dann klingen die existentiellen Themen des Lebens an. Da ist es, als würde man in das Portrait schauen, da sind die Erinnerungen, die Angst, der Schmerz, die Liebe und der Verlust verborgen.

Nicholas Winter gräbt sich mit seinen Fotogafien zum Kern eines ICHs vor, zu dem eigentlichen Portrait in uns selber und legt die inneren Gesichter frei. Um die Tiefschichtigkeit dieses Vorgangs hervorzuheben, hat Winter in Lanzarote Aufnahmen von Lava respektive Erdoberflächen gemacht und diese Landschaften auf 13 x18 grossformatigen Filmnegativen fotografiert und später mit der Technik der Heliografur/Kupferdruckplatte auf hochwetiges Papier drucken lassen. Dabei sind für den Fotografen Matierialen wie Kupfer, Metall und Chemie wichtige Elemente für den analogen Fotoprozess, der sich auch im Arbeitsprozess mit dem Inhalt der Arbeit nach dem Motto forget not, recollect , decken soll. Für Winter sind die Fotografien der schwarzen und trockenen Lavaerdoberfläche metaphorisch die äussere Oberfläche einer Realität, die verhärtet ist, die man tief aufschürfen muss, um zum Inneren vorzustossen.

Die Oberflächenstrukturen hängen wie eine schützende Membran vor den Portraits im Gegensatz zur glühenden Topografie des Inneren der Portraits, die auf Glas gedruckt sind.

Nicholas Winter dankt Herrn Arno Hassler für den Heliogravurdruck, Neriana Capatti für den Druck auf Glas und dem Fotolabor Pascale Brügger für die Unterstützung und Beratung.

*casual narcissistic reflex, Sean O'Hagen, The Guardian 14.10.18